Darum sind Ryanair und andere Billigflieger so günstig

Beim Vergleich von Flugpreisen habt ihr sicherlich schon das ein oder andere Mal über die Preise gestaunt und euch gefragt, warum sich diese zwischen den verschiedenen Fluggesellschaften so stark unterscheiden. Beispielsweise zahlt ihr für einen Flug vom Flughafen Frankfurt nach Lissabon bei der Lufthansa rund 100 Euro mehr als mit Ryanair - und müsst sogar in München umsteigen und seid dadurch doppelt so lange unterwegs!

Wieso sind die Tickets bei den Billigairlines wie Ryanair und Co so viel günstiger als bei regulären Airlines? Wir zeigen, wo die Low Cost Carrier sparen, um die Ticketpreise möglichst gering zu halten und erklären, wie diese dennoch ihr Geld verdienen.

 

Wie senken Billigflieger ihre Ausgaben?

1) Der Ticketpreis beinhaltet nur den Transport

Billigfluggesellschaften konzentrieren sich auf die Kernleistung einer Flugreise, nämlich den Transport von A nach B, und das zu einem möglichst niedrigen Preis. Der Ticketpreis enthält somit nur die reine Beförderung des Fluggastes. Zusatzleistungen, wie Verpflegung, Sitzplatzreservierung, Gepäckmitnahme und weitere Extras sind nicht im Preis inbegriffen. Daher erscheint einem der anfänglich angezeigte Ticketpreis auch so viel günstiger als bei Lufthansa und Co, bei denen solche Dienstleistungen häufig inkludiert sind.

 

2) Nur Direktverbindungen und keine Anschlussflüge

Sogenannte Netzwerk-Carrier besitzen nationale und internationale Drehkreuze, sogenannte Hubs. Bei der Lufthansa sind diese beispielsweise Frankfurt am Main und München, an denen die Passagiere umsteigen und somit durch einen Anschlussflug jedes internationale Ziel auf der Landkarte erreichen können. Low Cost Carrier bedienen dagegen zahlreiche „Home Bases”, an denen jeweils meist weniger als fünf Flugzeuge stationiert sind. Sie konzentrieren sich auf Direktverbindung, welche von den Reisenden außerdem stärker nachgefragt werden. Der Vorteil für die Fluggesellschaft: Es müssen keine Anschlussflüge und Umsteigeverbindungen aufeinander abgestimmt werden. Auch das Durchchecken des Gepäcks entfällt. So können die Bodenzeiten (Turn around) minimiert und dadurch viel Geld gespart werden. Darüber hinaus können Reisekosten für das Personal sowie unproduktive Dienstzeit (Reisezeit) der Mitarbeiter vermieden werden. Die Flüge der Billigflieger beschränken sich daher in den meisten Fällen auf die Kurz- und Mittelstrecke.

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3) Nutzung von regionalen Flughäfen

Um die Ticketpreise möglichst gering zu halten nutzen Low Cost Carrier dezentrale “Sekundärflughäfen” bzw. kleine bis mittelgroße Regionalflughäfen. Diese verlangen geringere Steuern und sind außerdem weniger ausgelastet, was eine schnellere Passagier- und Flugzeugabfertigung ermöglicht und somit die Frequenz und Produktivität der Maschinen und des Personals steigert. Um die Provinzflughäfen dennoch zentral und international klingen zu lassen, werben die Billigairlines häufig mit den „nahegelegenen“ Großstädten, die sich aber tatsächlich weit weg vom Flughafen befinden. Beispiele sind Düsseldorf-Weeze (89 Kilometer von Düsseldorf entfernt) oder Oslo-Torp (120 Kilometer von Oslo entfernt).

 

4) Außenposition des Flugzeuges beim Boarding

Nicht nur die Auswahl der Flughäfen, sondern auch die Position des Flugzeuges beim Boarding ist ein Kostenfaktor. Wer schon einmal mit der Lufthansa geflogen ist, durfte sicherlich ganz gemütlich über die Fluggastbrücke direkt in den Flieger steigen. Dieser Komfort kostet die Fluggesellschaft allerdings viel Geld. Billigairlines sparen sich die Parkpositionen direkt am Flughafengebäude und verlegen ihre Maschinen an die Außenpositionen, zu denen die Passagiere anschließend mit einem Bus gebracht werden.

 

5) Einheitliche Flotte mit wenig Flugzeugtypen

Bei regulären Airlines kommen, je nach Flugdauer und -strecke, verschiedene Maschinen zum Einsatz. Dafür benötigen die Piloten für jeden Flugzeugtyp eine andere Lizenz. Auch an dieser Stelle sparen Low Cost Carrier: Ryanair setzt ausschließlich Boeing 737-800 ein, die Flotte von easyJet besteht aus lediglich zwei unterschiedlichen Flugzeugtypen. Das bringt Einsparung bei den Ausbildungs- und Weiterbildungskosten der Piloten sowie niedrigere Wartungs- und Instandhaltungskosten der Flugzeuge. Aber auch die gesamte Flug- und Personalplanung wird dadurch enorm erleichtert. An Bord der Maschinen selbst wird durch den Aufbau und bei der Ausstattung gespart: Eine hohe Sitzplatzdichte mit geringem Sitzabstand und weniger Waschräumen ermöglicht es, noch mehr Passagiere zu befördern - und so mehr zu verdienen! 

easyJet_Flugzeug

 

6) Strikte Personalpolitik und niedrige Löhne

Die Billigflugairlines versuchen bei einem Minimum an Personal, welches selbstverständlich dennoch den Sicherheitsanforderungen entspricht, die Arbeitszeit auf das gerade noch zulässige Maximum auszudehnen. Die deutlich geringeren Gehälter für das Personal standen bereits mehrmals in der öffentlichen Kritik. Gerade diesen Sommer haben die Piloten, sowie einige Crew-Mitarbeiter von Ryanair aufgrund der niedriger Entlohnung gestreikt, wodurch es zu enormen Flugverspätungen und Ausfällen kam.

Zum Vergleich: Während das Einstiegsgehalt eines Co-Piloten bei Ryanair gerade einmal bei etwa 40.000 brutto im Jahr liegt, verdient sein Lufthansa-Kollege etwa 70.000 im Jahr. Auch innerhalb der Lufthansa-Group lassen sich deutliche Unterschiede festmachen: Bei dem Tochterunternehmen Eurowings, welches günstige Tickets anbietet, verdienen Flugkapitäne zu Beginn 78.000 Euro und erreichen nach zehn Jahren ein Grundgehalt von 102.000 Euro. Bei Lufthansa reicht diese Spanne dagegen von 136.000 bis 189.000 Euro nach zehn Jahren.

 

Wie verdienen Billigfluggesellschaften trotz günstiger Tickets ihr Geld?

Die Low Cost Carrier verdienen nicht am Flug selbst, sondern an den Nebenleistungen, den sogenannten “Ancillary Revenues”. Wie zu Beginn erwähnt, beinhaltet der Ticketpreis bei den Billigfluggesellschaften nur die reine Beförderung der Passagiere. Zusatzleistungen, wie Bordservice, Sitzplatzreservierung, Gepäckmitnahme, oder auch eine Reiserücktrittsversicherung, der Online Check-in oder das Unterhaltungsangebot an Bord müssen von den Fluggästen bezahlt werden.

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Der Anteil der Ancillary Revenues an den Gesamteinnahmen liegt bei einigen Billigairlines über 40 Prozent. Neben diesem Konzept, das Leistungspaket „Flugreise“ in ihre Einzelteile zu zerlegen, setzen die Airlines auf wenige Verkaufskanäle, um keine Provision an Reisebüros oder Ticketanbieter zahlen zu müssen. Der Kunde soll dank der anfänglich günstigen Basispreise mittels Preisvergleichsseiten direkt auf das Buchungsportal der Fluggesellschaft gelotst werden. So wird ein weiterer und eventuell ausführlicherer Vergleich unterbunden. Neben der „Fliegerei“ werden außerdem andere profitable Geschäfte, wie dem Schalten von Werbung auf der eigenen Homepage, verfolgt. Durch das Empfehlen von Hotels oder Mietwagenanbieter wird eine zusätzlich Provision verdient.

 

Wie viel Gewinn machen Low Cost Carrier?

Mit diesem Geschäftsmodell machen Billigfluggesellschaften enorm viel Umsatz. In dem Geschäftsjahr 2017/2018, stieg der Gewinn von Ryanair, der zweitgrößten Fluggesellschaft Europas, um 10 Prozent auf sage und schreibe 1,45 Milliarden Euro. Auch die Zahl der Passagiere legte um neun Prozent auf rund 130 Millionen zu - und das obwohl die Iren im Herbst 20.000 Flüge gestrichen hatten, da die Urlaubszeiten der Piloten im Dienstplan nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Tatsächlich konnte Ryanair seine Flieger zu 95 Prozent füllen, das ist eine deutlich besser Rate als bei jeder anderen Airline.

Ryanair_Flugzeug

Flugverspätung oder Flugausfall bei einer Billigfluggesellschaft

In einer kürzlich veröffentlichten Studie hat Flug-Verspaetet.de herausgefunden, dass Billigflieger 2018 bisher genauso pünktlich waren wie herkömmliche Airlines. Demnach war insgesamt jeder vierte Flug um mindestens 15 Minuten verspätet. Gravierender als die Unterteilung nach Low Cost Carriern und regulären Fluggesellschaften bei der Bewertung der Pünktlichkeitsquote war demnach die Frage, um welche konkrete Airline es sich handelte.

Interessant dabei: Grundsätzlich haben Passagiere bei einer Flugverspätung von mindestens 3 Stunden oder bei einer Flugannullierung einen Anspruch auf Entschädigung. Der Ticketpreis ist dafür unerheblich, denn die Höhe der Entschädigung richtet sich ausschließlich nach der Flugdistanz und kann bis zu 600 Euro pro Person betragen.

Doch auch hier versuchen die Billigflieger Geld zu sparen - zu Lasten der Passagiere! Wir als Fluggasthelfer stellen leider häufig fest, dass die Fluggesellschaften einiges unternehmen, um keine Entschädigung zahlen zu müssen und auch berechtigte Forderungen abzulehnen - oder versuchen, die Forderung zu ignorieren. Wir sind darauf spezialisiert, die Entschädigung für verspätete Flüge auch von Billigfliegern wie Ryanair, Eurowings und Co tatsächlich durchzusetzen. Wenn ihr in den letzten 3 Jahren eine Flugverspätung oder einen Flugausfall hattet, könnt ihr ganz einfach unseren kostenlosen Entschädigungsrechner nutzen, um zu sehen, wie viel euch zusteht:

 

 
 

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