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Urteil: TUIfly muss Passagiere entschädigen

Im Herbst 2016 herrschte für eine Woche ein riesiges Flug-Chaos bei TUIfly, da sich zahlreiche Besatzungsmitglieder gleichzeitig krank meldeten. Nun wurden die ersten Klagen betroffener Passagiere gegen die Airline verhandelt: TUIfly muss zwei betroffene Familien entschädigen.

Das Amtsgericht Hannover entschied heute morgen, dass die Fluggesellschaft zur Auszahlung von Entschädigungen nach der EU Fluggastrechtverordnung verpflichtet ist. Somit erhält ein Rentnerehepaar 800 € für seine um vier Stunden verspätete Ankunft auf der griechischen Insel Kos. Eine fünfköpfige Familie aus Celle forderte insgesamt 4.000 € Entschädigung, da ihr Urlaub komplett abgesagt wurde. Ihnen wurden nun 2.000 € zugesprochen.

Mehr als 600 weitere Passagiere haben bisher bei dem Amtsgericht Hannover Klage gegen TUIfly eingereicht.TUIfly hatte bisher zwar den Reisepreis an betroffene Urlauber zurück erstattet, weigerte sich jedoch die geforderten Ausgleichsansprüche zu zahlen. Die Airline argumentierte, dass es sich bei den massenhaften Krankmeldungen um einen „wilden Streik“ und somit einen Umstand höherer Gewalt gehandelt habe. Das Gericht entschied jedoch in diesen beiden Einzelfällen zugunsten der Passagiere.

600 weitere Klagen stehen aus

Die heutigen Urteile können Einfluss auf weitere ausstehende Prozesse haben. Ein für andere Gerichte bindendes Urteil stellen sie jedoch nicht dar. Laut Hochrechnungen des NDR können die Flugausfälle TUIfly teuer zu stehen kommen. Allein am 7. Oktober 2016 waren 9.700 Urlauber von Flugannullierungen betroffen. Sollte jeder von Ihnen die Mindestentschädigung von 250 € einklagen, würde eine Gesamtsumme von mindestens 2,4 Millionen Euro auf die Fluggesellschaft zukommen.

Es bleibt abzuwarten, ob die Fluggesellschaft die Urteile akzeptieren oder anfechten wird. Sollte TUIfly in Berufung gehen, kann noch einige Zeit verstreichen, bis eine endgültige Klärung der Rechtsfrage und somit ein Präzedenzfall vorliegt.

Hintergrund der TUIfly-Flugausfälle

Kurz bevor es zu den ungewöhnlich vielen Krankmeldungen kam, waren durch Medienberichte Pläne bekannt geworden, die eine Fusion von TUIfly und der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki unter Führung der arabischen Fluglinie Etihad vorsahen. Arbeitnehmervertreter befürchteten daraufhin den Verlust von Arbeitsplätzen (Flug-Verspaetet.de berichtete). TUIfly ist seinen Arbeitnehmern mittlerweile mit einer mindestens dreijährigen Standort- und Tarifgarantie entgegengekommen.

Übrigens war auch Air Berlin etwa zeitgleich von ähnlich vielen krankheitsbedingten Personalausfällen betroffen und hat mittlerweile, ganz ohne Gerichtsverfahren, zahlreiche ihrer betroffenen Passagiere gemäß Fluggastrechteverordnung entschädigt.

 

Waren auch Sie von einem Flugausfall oder einer Verspätung durch die "TUIfly Krankheitswelle" betroffen? Prüfen Sie jetzt Ihren Anspruch auf Entschädigung!

 

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Ein ausführliches Interview zu dem Thema "Entschädigung wegen Flugausfall bei TUIfly" mit unserem Flugrechtexperten Matthias Möller finden Sie auch auf der Webseite fluggesellschaft.net. 

Geschrieben von Flug-Verspaetet.de